2024 – Los Angeles
Exkursionsbericht Los Angeles im März 2024
California dreamin‘
– The Mamas and the Papas, California Dreamin‘
On such a winter’s day
Strahlend weiße Paläste der Kunst, hoch über der Stadt, deutsche Expressionisten umgeben von Palmen, eine ganze Villa aus Pompei: All das konnten wir während unserer Exkursion nach Los Angeles im März 2024 erleben. Dieser Bericht soll unsere Fahrt zusammenfassen.
Donnerstag 21.03.24
Voller Vorfreude und Aufregung fanden wir uns am Donnerstag am Münchner Flughafen zusammen und starteten gemeinsam unsere lange Reise. Nach einem fast zwölfstündigen Flug waren wir am Nachmittag in Los Angeles angekommen. Unsere Unterkunft, das Freehand LA, befand sich direkt im Downtown.
Freitag 22.03.24
Der Exkursionsauftakt am nächsten Morgen hielt sogleich ein Highlight für uns bereit. Nach einer Anreise mit den öffentlichen Verkehrsmitteln und einem erstmaligen Betrachten des urbanen Panoramas vom Fenster der Stadtbahn aus, wartete auf uns der Besuch der Huntington Library und der Huntington Gardens. Bei angenehm milden Temperaturen und sonnigem Wetter führte uns der erste Studierendenvortrag gelungen in die Geschichte der Anlage und ihres Begründers Henry E. Huntington ein. Der anschließende Streifzug durch den dazugehörigen Botanischen Garten mit seiner schieren Größe und einzigartigen Vielfalt kalifornischer, sowie internationaler Flora war ein erstrangiges Erlebnis.
Die Sammlung des Museums beeindruckte mit einer Vielzahl europäischer, amerikanischer aber auch asiatischer Exponate; besonders die Gegenüberstellung des „Blue Boy“ von Thomas Gainsborough mit dem „Portrait of a Young Gentleman“ des zeitgenössischen afroamerikanischen Künstlers Kehinde Wiley regte zu einer ersten Diskussion über konzeptionelle Ausstellungsgestaltung an. Anschließend konnten die Parkanlagen weiter in Eigenregie erkundet werden, unter anderem die thematischen Gärten zu Japan und China.
Nach einer sonnigen Mittagspause und kurzen Überfahrt stand ein Besuch des Norton-Simon-Museums in Pasadena auf dem Programm. Die bemerkenswerte Architektur des ehemaligen Pasadena Art Museums im Stil des kalifornischen Mid-Century-Moderns leitete stimmungsvoll in die renommierte Sammlung und Ausstellung, insbesondere europäischer Werke des neunzehnten Jahrhunderts, sowie asiatischer Kunst ein. Bei einem ersten Rundgang wurde die Gartenanlage des Museums erkundet, woraufhin die Sammlungen besichtigt werden konnten. Die breite Palette an Werken des Impressionismus und der klassischen Moderne zeigte uns die Ambitionen des namensgebenden Sammlers. Damit war unser erster Exkursionstag bereits abgeschlossen.
Samstag 23.03.24
Am darauffolgenden Tag begann unser Exkursionsprogramm im direkt im Herzen vom Downtown an der Grand Avenue gelegenen „The Broad“. Eine Analyse des Museumsshops, die zu aufschlussreichen Erkenntnissen zur amerikanischen Museumskultur führte, bildete den Auftakt. Anschließend beschäftigten wir uns schlaglichtartig mit Gemälden von Jean-Michel Basquiat und anderen Kunstwerken der hochkarätigen Sammlung des US-Milliardärs Eli Broad und seiner Frau Edithe, welche allen Besuchenden einen kostenlosen Zugang zu ihrem Museum ermöglichen. Zusammen mit Werken von Andy Warhol, Roy Lichtenstein, Keith Haring, Jeff Koons, etc. deckt die Sammlung Eli Broads fast sämtliche wichtige Kunstströmungen in den USA der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ab. Dabei ist uns besonders aufgefallen, dass es sich in der Sammlung stets auch um spektakuläre Kunst handelte, dies spiegelte sich auch in der hohen Anzahl der Besucher wider.

Nach einer kurzweiligen Mittagspause setzen wir unser Programm im direkt gegenüber vom Broad gelegenen MOCA, also dem Museum of Contemporary Art, fort, auch dieses bietet freien Zugang zu seinen Sammlungen. Umgeben von Wolkenkratzern, erscheint das von Arata Isozaki projektierte Gebäude fasst etwas verloren, und auch im Inneren zeigte sich das Museum uns etwas blass nach dem am Vormittag besuchten Broad, welches nicht nur mit einem imposanteren Gebäude schon von außen eine größere Fernwirkung hat, sondern vor allem im Inneren mit seiner innovativen Raumgestaltung und lichtdurchfluteten Ausstellungsräumen deutliche Akzente in der Museumslandschaft von LA setzt. Dennoch bot uns auch das MOCA einige spannende Kunstwerke, so unter anderem wichtige Arbeiten von Jackson Pollock.

Am späten Nachmittag beendeten wir unser Programm in einer Filiale des MOCA, dem Geffen Contemporary, welches dem Namen nach der zeitgenössischen Kunst gewidmet ist und sich in einer ehemaligen Reparaturwerkstatt für Polizeiautos befindet, vom MOCA aus fußläufig erreichbar. Wir hatten großes Glück, dort angekommen, eine Retrospektive über Paul Pfeiffer erkunden zu können, eines visionären Medienkünstlers.
Sonntag 24. 03.24

Ein weiteres Highlight wartete auf uns auch am nächsten Tag, und zwar das Los Angeles County Museum of Art, kurz LACMA, das größte Kunstmuseum westlich von Chicago. Auch, wenn das neue Gebäude von Peter Zumthor zum Besuchszeitpunkt lediglich eine riesige Baustelle war, so konnten wir dennoch fast den gesamten Tag in den beiden von Renzo Piano entworfenen Ausstellungshallen verbringen. Besonders die umfangreiche Sammlung deutscher Expressionisten, mit Arbeiten von Max Beckmann, Emil Nolde, Ernst Ludwig Kirchner, Käthe Kollwitz und vielen mehr, bot eine Grundlage für angeregte Diskussionen.

Im Außenbereich des Museums konnten wir auch mehr über die US-amerikanische Land Art lernen und ein Kunstwerk von Michael Heizer für uns entdecken. Eine weitere nennenswerte Außeninstallation war „Urban Light“ von Chris Burden, in welcher er hunderte alte Straßenlampen in ganz Kalifornien gesammelt und in Form eines Art Tempels ohne Wände vor dem LACMA installiert hat. Auch der Sonderausstellung zur Kunst im Ersten Weltkrieg, welche sich auf alle Medien konzentrierte, einschließlich, Plakat, Film und Musik, wurde ein Besuch abgestattet.
Montag 25.03.24
Der Montag galt ganz dem Erkunden der touristischen Seite der Stadt. Während sich ein Teil der Gruppe auf den langen Weg zur weit außerhalb gelegenen Getty Villa aufmachte, startete der Großteil am Santa Monica Pier zu einer privat-geführten Rundfahrt. So konnten im Laufe des Tages Venice Beach, Culver City, das LA Memorial Colloseum, die Broadway Avenue, Kinopaläste, das historische Gründungsviertel, die Hollywood Hills, der Hollywood Boulevard mitsamt dem Walk of Fame, der Sunset Strip und vieles mehr besichtigt werden.
Auch der Besuch der Getty Villa war die lange Anfahrtszeit wert, handelt es sich doch dabei um einen fast originalgetreuen Nachbau einer römischen Villa aus Pompei. Noch bedeutender waren aber die dort ausgestellten Antiken aus Griechenland und Rom, dies alles frei zugänglich für alle Kunstbegeisterten. Somit war die Villa auch ein kleiner Vorgeschmack auf ein weiteres, noch wichtigeres vom Multimilliardär J. Paul Getty begründetes Kunstmuseum, das Getty.
Dienstag 26.03.24
Der letzte Tag der Exkursion hielt also noch den letzten krönenden Höhepunkt der gesamten Reise, und zwar auch im direkten Sinne des Wortes, für uns bereit. Das nordwestlich von LA auf einem Hügel gelegene Getty Center bietet nicht nur eine einmalige Szenerie und Aussicht, sondern stellt mit seiner immensen Sammlung und zahlreichen weiteren, der Erforschung der Kunst verbundenen Zentren, eine der weltweit größten kunsthistorischen Institutionen dar. Besonderen Input erhielten wir durch Dr. Christoffer Neville, einem Professor der Kunstgeschichte an der Partneruniversität in Riverside, der uns unter anderem durch die aktuelle Ausstellung „Blood: Medieval/Modern“ begleitete, in welcher es um Darstellungen von Blut in der Bildenden Kunst ging.
Allein das Gebäude Richard Meyers, idyllisch in die Landschaft eingebunden, verdient eine besondere Erwähnung. Aber vor allem die Sammlungen ließen unser jedes Herz höherschlagen. Die Geschichte des Hauses wurde von den zuständigen Referenten behandelt, die Sammlungen konnten dann aber relativ frei erkundet werden.
Prof. Teget-Welz stellte uns außerdem Cranachs „Adam und Eva“ vor, welches nicht nur einen künstlerische Wert besitzt, sondern auch noch eine spannende wie ebenso problematische Werkbiografie, verbunden mit Beschlagnahmung, Verkauf und einem Restitutionsskandal. Am Nachmittag begrüßten uns schließlich noch Dr. Anne-Lise Desmas, Senior Curator der Abteilung Skulptur und Angewandte Kunst am Getty, und ihre Assistentin Francesca Padovani. Dr. Desmas sprach mit uns über die Schwierigkeiten der musealen Präsentation von Skulpturen in seismisch aktiven Gebieten wie Los Angeles und zeigte uns Lösungen auf, z.B. besondere, unsichtbare Verankerungen im Boden. Außerdem diskutierten wir mit ihr unterschiedliche Ausstellungskonzepte anhand der Sammlung barocker Möbel, vor allem die Frage, wie viel eigentlich gezeigt werden sollte und wie schnell man Besuchende auch überfordern kann. Ein besonderes Erlebnis war für uns die Demonstration eines barocken Schmuckschränkchens mit all seinen zahlreichen Geheimfächern.
Ein gemeinsamer letzter Abend rundete unsere Los-Angeles-Exkursion stimmungsvoll ab, bevor wir am Folgetag schweren Herzens wieder unsere Heimreise antreten mussten. Mag sein, dass Los Angeles nicht die schönste Stadt von Nordamerika ist, aber ihre Museumslandschaft will ihresgleichen suchen! Unsere fünftägige Exkursion führte uns dies eindrucksvoll vor Augen und hinterließ eine Menge neuer Erkenntnisse und schönster Erinnerungen!
Bericht: Lena Heinlein-Müller und Martin Scherbakov